Vom “Artist’s Way” und Synchronizität


Vor einigen Wochen war ich in Valencia, im Caixa Forum, im dortigen Museumsshop und erblickte dort ein Buch. Zunächst in seiner spanischen Version (“El camino del artista”), dann im englischen Original “The Artist’s Way” von Julia Cameron. Ich las kurz rein, ging weg (ich wollte eigentlich keine Bücher kaufen) und das Buch zog mich immer noch in seinen Bann. Also kaufte ich es und fing an zu lesen. Es gefiel mir sofort sehr gut. Zwar kann ich mit dem Konzept “Gott” nicht unbedingt etwas anfangen, aber ich mochte die Idee eines 12-Wochen-Kurses (das Ende ist absehbar) und der Gründung eines kreativen Clusters um die wöchentlichen Aufgaben zu bearbeiten und zu besprechen. Das Buch verspricht durch Spiritualität einen höheren Grad an Kreativität zu erlangen.

Die “Morning Pages” und das “Artist Date”

In dem Buch wird im ersten Kapitel verlangt, einen Vertrag mit sich abzuschließen. Eigentlich mache ich solche Verträge nicht, aber da ich es auch bei Tour de Kenk gesehen habe, dachte ich, es ist gar nicht so eine schlechte Idee. Ist auch verbindlich und 12 Wochen sind wirklich keine lange Zeit.

Auch müssen jeden Tag drei Seiten “Morning Pages” geschrieben werden, also Bewusstseinsstrom, der nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist. Mir fällt dies nicht schwer, da ich fast jeden Tag morgens in mein Tagebuch schreibe. Ich bin am Morgen auch am kreativsten und habe auch noch meine Träume präsent. Die Seiten sind aber nicht dafür gedacht in ein Tagebuch notiert zu werden, sondern laut der Autorin sollen diese am besten in einen Umschlag gesteckt werden und gar nicht angeschaut werden (vorerst).

Zwingende Voraussetzung ist auch die wöchentliche Erfüllung eines 2-3 stündigen Artist Dates. Die Idee dahinter ist, sein inneres Kind aufleben zu lassen. Kritzeln, Kleben, Malen, alles das tun, was ich mir verboten habe, da ich nicht die Sinnhaftigkeit dahinter sah. Einfach das tun, worauf man Lust hat, sich kreativ ausleben ohne Druck. Mittels moderner Kalendertools kann ich so einen festen Termin gut einplanen.

Gründung des “Creative Clusters” sowie die wöchentlichen aufgaben

Auch ist es ihrer Meinung notwendig die wöchentlichen Aufgaben zu bearbeiten. Am besten gestaltet es sich zusammen in einer Gruppe, die sich wöchentlich zur gleichen Zeit am gleichen Ort trifft (es bedarf keiner Absprachen). Ich hatte durch meine Kontakte vor Ort schon einige Menschen, die künstlerisch tätig sind und von daher auch schon eine “Art Group”, in der ich von meinem Vorhaben erzählte. Auch veröffentlichte ich einen Aufruf in der sozialen Medien (dort meldete sich eine Person). Der Aufruf über die WhatsApp-Gruppen und Communities war da fruchtbarer.

Nach einer kurzen Terminabsprache (aufgrund von Kinderbetreuung einer Teilnehmerin fielen die Wochenenden sowie die Abendtermine weg) hatten wir uns auf einen Termin geeinigt: Donnerstags um 10 Uhr. Mein Resümee bisher nach zwei Treffen: ich leite die Gruppe bewusst nicht als “Gruppenführerin” oder “Projektmanagerin” sondern gebe alle Entscheidungen in die Gruppe ab. Im Buch wird auch davor gewarnt, sich mit sogenannten “Gurus” einzulassen. Ich finde es auch schwierig von sich selbst zu behaupten, man wisse den Weg und wüsste, was für alle Beteiligten gut und richtig sei. Jeder Mensch hat seine individuelle Geschichte, seine eigenen Bedürfnisse und Probleme. Es können Hilfestellungen angeboten werden, aber nicht jeder muss alle annehmen. In vier Wochen steht die Rückkehr nach Deutschland an, von daher werde ich nur die Hälfte des Kurses mit der Gruppe verbringen können und den Rest alleine durchführen (ich glaube nicht, dass es per Zoom-Call möglich ist…). Ich finde es schön, wie jeder seine persönlichen Gedanken und Ängste teilt und auch keine Scheu hat dies vor Menschen zu äußern, die bis vor wenigen Minuten Fremde waren. Das habe ich auch bei meinen “Wart’ mal kurz”-Events im Jahr 2023 festgestellt: ich habe die Gabe innerhalb kürzester Zeit eine Atmosphäre der Sicherheit und des Wohlgefühls zu erzeugen, so dass die Menschen sich anderen Menschen in der Öffentlichkeit anvertrauen. Eine Person hatte mir nach einem Termin der “Wart’ mal kurz”-Reihe gesagt, dass sie nicht gedacht hätte, dass sie öffentlich über ihre Kaufsucht spricht.

Ich glaube, der Erfolg des Kurses des “Artist Way” kann in der Konsistenz liegen. Heute morgen ist mir der Spruch eingefallen: “Consistency to channel the creativity”. Durch das tägliche Schreiben, die wöchentlichen Artist Dates und die Treffen in der Gruppe, schleift sich eine Regelmäßigkeit ein. Ich dachte immer Kreativität und Struktur ist kontraproduktiv, aber ich merke, dass in kleinen Dosen schon etwas bewirkt.

Affirmationen

Ein Handwerkszeug, dass die Autorin auch benutzt sind positive Affirmationen. War ich vorher auch kein Fan von, aber seitdem ich sie benutze, merke ich was sie bewirken. Interessanterweise soll man täglich mit eben diesen Affirmationen arbeiten, die einen auf den ersten Blick abstoßen.

Synchronizität

In der dritten Woche des Kurses spricht sie ein interessantes Konzept an, dass “Synchronicity” heißt. Es bezeichnet den Umstand, dass sich Dinge zu unseren Wünschen fügen. Ich hatte schon einige dieser Momente, sogar noch vor ein paar Tagen. Es gibt ein Programm, bei dem ich mich bewerben möchte und das ich schon seit einigen Monaten immer weiter hinauszögere. An eben diesem Tag ploppte auf meinem Mobiltelefon der Reminder auf, dass ich mich bewerben möchte. Eine Stunde später schreibt mir eine Freundin, dass sie gerade ein Buch beendet hatte, das von einer Frau geschrieben wurde, die eben genau in diesem Programm teilgenommen hatte. Manchmal braucht es Anstöße, es liegt aber an uns diese aufzunehmen.

Fazit

Bisher kann ich nur positives Berichten, auch die Menschen, die mit mir auf dieser Reise sind, sind bislang noch dran geblieben. Im Buch wird aber vorhergesagt, dass in der 8. Woche ein Einbruch der Motivation geschieht. Ich bin gespannt, wie es bei uns wird.


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