Vor einigen Wochen habe ich bereits über meine Erfahrungen mit dem Buch “The Artist’s Way” von Julia Cameron geschrieben. Jetzt wird es Zeit für eine Zwischenbilanz.
Ich habe das Buch Mitte Januar 26 in einem Museumsshop in València gesehen, es hat mich magisch angezogen und ich habe es gekauft. Und: ich bin dem Rat der Autorin gefolgt und habe eine Gruppe gegründet, mit der ich zusammen die Aufgaben des 12-wöchigen Kurses bearbeite. Seit Mitte Januar schreibe ich jeden Tag die “Morning Pages”: drei Seiten Stream of Consciousness direkt nach dem Aufstehen. Für mich waren diese Seiten von Anfang an kein Problem, weil ich vorher auch schon viel geschrieben habe (hauptsächlich schreibe ich meine Träume auf), ich mag es einfach zu schreiben, am liebsten mit der Hand. Und tatsächlich kommen mir während des Schreibens ab und zu Ideen, aber die meiste Zeit schreibe ich über meine Träume oder über die Erlebnisse des gestrigen Tages (ich habe auch gleichzeitig für meine Zeit in Spanien einen Reiseblog angelegt, in den ich auch täglich schreibe). Was mir vor allem sehr viel geholfen hat, waren die Affirmationen. Affirmationen, die bewirken sollen, dass ich an mich und an meine Kreativität glaube. Und es wirkt. Ich habe keine Angst mehr, dass meine Kunst perfekt sein muss, ich kann wieder spielen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich erinnere mich an diesen Zustand vor 6 Jahren als ich im Atelier “kunst + tonic” anfing. Jetzt weiß ich, dass ich viele Instrumente habe, die ich nutzen kann und ich kann mich voller Stolz als multidisziplinäre Künstlerin bezeichnen. Vorher habe ich mit mir gehadert, dass ich so experimentierfreudig bin. Jetzt weiß ich: das ist meine Stärke. Ich habe einen offenen Geist und ich liebe es in verschiedenen Rollen und Techniken abzutauchen.
Das Tolle hier vor Ort ist: ich habe mit Anfangs 8 dann 9 Menschen eine Gruppe gegründet, die mit mir zusammen diesen Weg beschreiten wollten, mit dem Buch zu arbeiten. Der harte Kern sind nun 7 Menschen, die einigermaßen regelmäßig kommen (sofern es ihr Zeitplan erlaubt) und mit denen wir unsere Unsicherheiten angesichts des künstlerischen Weges besprechen. Es ist eine tolle Gruppe und wir schicken uns regelmäßig Bilder von unseren “Artist’s Dates”, welche feste wöchentliche Dates sind, an denen wir als KünstlerInnen schöne Dinge unternehmen sollen. Und ich merke, dass mit der Regelmäßigkeit des Schreibens, der Affirmationen und der Artist’s Dates auch eine Regelmäßigkeit in meinen kreativen Prozess kommt. Viel öfter greife ich zu Zettel und Stift, zeichne oder schreibe etwas anstatt ein Buch zu lesen oder einen Film zu gucken. Vor allem in der vierten Woche des Kurses war es uns nicht erlaubt zu lesen oder Filme zu schauen. Ich habe es durchgehalten (bis auf WhatsApp-Kommunikationen und Emails, die sich nicht vermeiden ließen). Zwar habe ich Social Media sehr, sehr sporadisch genutzt, Zeitungen aber gar nicht mehr gelesen und ich habe gemerkt, dass sich in meinem Kopf etwas öffnet und ich mehr Platz für Kreativität habe.
Mein Fazit: das Buch kam zur richtigen Zeit für mich. Wie im Blog-Post beschrieben, war es ein Erlebnis der Synchronizität. Auch die Geschichte, die ich in diesem Blog-Post beschrieben habe, die Geschichte des Schreibprogramms in einer Buchhandlung in Paris, hatte nochmal eine Fortsetzung: einige Tage nach dem Blog-Post reiste ich am 5. Februar nach València für ein Konzert. Aufgrund der starken Winde, war ein Baum auf die Stromleitung gefallen und wir konnten unsere Reise nicht mehr fortsetzen. Es wurde aber in kürzester Zeit ein Ersatzbus angeboten, der einen kurzen Teil der Strecke fuhr und uns an zwei Zughalten absetzen sollte. Eine Frau, die einen der Halte verpasst hatte (vielleicht verträumt), ist aufgesprungen, zum Fahrer gegangen und ich konnte meinen Augen nicht trauen: sie hatte eine Tasche eben dieser Buchhandlung in Paris, bei der ich mich für ein Programm beworben wollte! Das waren also in kürzester Zeit schon drei Zeichen! Bisher feile ich noch an der Idee, mit der ich mich für dieses Programm bewerben möchte.
Da ich Spanien nächste Woche verlassen werde, werde ich mich die nächsten Wochen leider nicht mehr mit den Menschen aus der Gruppe treffen können, aber ich werde das Programm für mich alleine zu Hause fortführen. Ich bin überzeugt, dass ich die nächsten 6 Wochen auch allein dran bleiben werde. Wer weiß, vielleicht gründe ich auch so eine Gruppe in Düsseldorf oder gar online? Ich habe in meinem künstlerischen Bekanntenkreis schon mit einigen Menschen gesprochen, die sich auch das Buch gekauft haben, allerdings noch nicht angefangen haben, es zu bearbeiten.
